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Kind und Kegel

Kind und Selbstständig – ein Selbstversuch

Selbstständigkeit, Kind, Elterngeld, KSK, Kreative, Mutterschutz
Als ich schwanger war, wurde ich oft gefragt: Wie macht Ihr das jetzt? Kind und beide selbstständig? Habt Ihr so viele Rücklagen, verliert Ihr nicht alle Kunden und bekommst Du überhaupt  Elterngeld oder gar Mutterschaftsgeld?

Allen, die sich diese Gedanken machten und machen oder die das Abenteuer Selbständigkeit und Kind vielleicht sogar selbst wagen möchten, sei gesagt: Macht Euch nicht so viele Sorgen, das ist alles halb so wild. Na klar: Wahrscheinlich ist es ein größeres Wagnis, als mit einem sicheren Job, den ich nach 12 Monaten wieder antreten kann und einer Elternzeit, bei dem ich mich nur auf mein Kind, Haushalt und Freizeitaktivitäten konzentrieren kann. Aber auch das selbstständig machen war ein Wagnis … (zumindest scheint es das noch für sehr viele (Deutsche) zu sein). Und was soll ich Euch sagen: Diesen Schritt haben wir nie bereut und würden es gleich wieder tun. Und jetzt eben mit Kind … zu dritt sind wir das beste Team, was man sich vorstellen kann.

Aber nun zu den Fakten: Ja, ich denke es ist mehr Papierkram, mehr Recherche, mehr Arbeit … und es war teilweise wirklich aufwändiger bei Krankenkasse und Co. Ansprechpartner zu finden, die uns weiterhelfen konnten. Auch im Internet hat sich die Recherche eher schwierig gestaltet. Selbstständig und Kind scheint immer noch eine besondere Spezies zu sein. Doch zum Glück gab es auch viele Lichtblicke: Zum Beispiel die großartige Schwangeren-Beratung im Landratsamt in München, die sich viel Zeit für uns nahm und uns mit Infomaterial und Schaubildern zum neuen Elterngeld-System bestens ausgerüstet hat (Danke Marion an dieser Stelle für den spitzen Tipp). Oder natürlich meine Mädels im Büro: Justus ist nämlich schon das dritte Büro-Baby unserer Bürogemeinschaft. Papa und Mama der beiden anderen Kinder sind ebenfalls selbstständig, auch Kreative mit manchmal tollem, manchmal nicht so tollem Einkommen. Was die Auftragslage halt so bringt. Und dann gibt es noch so Lieblingsblogs wie Edition F oder Little Years, die immer wieder Mut machen mit ihren tollen Artikeln und Fallbeispielen zu Selbstständigkeit mit Kind.

Zum Finanziellen sei gesagt: Jeder bekommt Elterngeld. Zumindest den Mindestsatz von 300 Euro. Euer Elterngeldsatz wird, wenn Ihr selbstständig seid, aus Eurem letzten Geschäftsjahr berechnet. Also in unserem Fall: den Gewinn von 2014 durch 12 und dann wie bei den Festangestellten auch davon 67% . Für die gewitzten Finanzplaner unter Euch: Natürlich macht es Sinn im entsprechenden Jahr den Gewinn etwas nach oben zu schrauben und nicht so viel Ausgaben anzusammeln (was man ja eigentlich gerne macht, um Steuern zu sparen). Aber wer plant schon genau, wann er schwanger wird ;)

Ganz neu seit diesem Jahr: Das Elterneld Plus: Ihr bekommt in den Monaten, in denen Ihr Euch für E+ entscheidet nur die Hälfte des berechneten Elterngeldsatzes, dafür dürft Ihr aber bis zu 30h pro Woche arbeiten und das was Ihr dazuverdient wird nicht vom Elterngeld abgezogen. (Zumindest bis zur Deckelung). Wie das mit dem Elterngeld Plus genau funktioniert und ob es wirklich klappt, werde ich nächstes Jahr dann berichten können. Auf den ersten Blick ist es aber schonmal die ideale Ergänzung für Selbstständige und wir werden das auf jeden Fall ausprobieren.

Nun zum Mutterschaftsgeld: Da ist es tatsächlich etwas kniffliger. Denn eigentlich bekommt Ihr das ja von Eurem Arbeitgeber, der in Eurem Fall ihr selbst seid. Viele Kreative sind in der Künstlersozialkasse, so zum Glück auch ich … denn die ersetzt zusammen mit Eurer Krankenkasse den Arbeitgeber und ihr bekommt auch im Mutterschutz (also ab 6 Wochen vor Geburtstermin) die 70% von Eurem Einkommen. Berechnet wird in diesem Fall nicht nach Gewinn vom Vorjahr, sondern aus dem Satz, den Ihr für das laufende Geschäftsjahr an die KSK gegeben habt. Für Selbstständige Frauen, die kein KSK-Mitglied sind, gibt es leider kein Mutterschaftsgeld. Das heißt tatsächlich: Noch möglichst lange arbeiten oder Rücklagen für die Wochen vor der Geburt bilden. Wer da andere Infos hat, kann mich aber gerne noch belehren.

Bekommt Ihr Mutterschaftsgeld ist es aber wichtig, dass Ihr im Mutterschutz keine Rechnungen mehr schreibt, denn das wird von Eurem Mutterschaftsgeld abgezogen. Geldeingänge während dem Mutterschutz sind noch möglich, habt Ihr aber Geldeingänge aus Kundenrechnungen nach der Geburt, also während der Zeit in dem Ihr „normales“ Elterngeld bezieht, werden diese Einnahmen von Eurem Elterngeld abgezogen. Beim Elterngeld Plus sind Geldeinnahmen, wie gesagt, wieder möglich.

Weitere Infos findet Ihr auch in der Broschüre „Wenn Selbstständige Kinder kriegen“ von der mediafon.

Ich hoffe, diese Infos haben schon einige Ängste und Bedenken zum Thema Selbstständigkeit und Kind aus dem Weg schaffen können. Ich war die letzten Monate auf jeden Fall immer sehr dankbar, wenn mir jemand weiterhelfen konnte. Deshalb wird es an dieser Stelle sicherlich bald den nächsten Artikel zu diesem Thema geben. Was mich vor der Geburt zum Beispiel auch immer brennend interessiert hat, war die Frage: Verändert sich durch die Geburt deines Kindes wirklich komplett alles? Wirst Du ein anderer Mensch sein? Kommt man wirklich zu rein gar nichts mehr? Aber das wird Stoff für einen neuen Blogartikel sein …

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12 Comments

  • Reply claire

    Hallo liebe Julia,
    erstmal herzlichen glückwunsch für den kleinen! und zweitens: vielen Dank für diesen tollen Artikel, sehr lehrreich :)

    15. Oktober 2015 at 20:22
  • Reply Fee von fairy likes...

    Liebe Julia, ich bin total gespannt, wie es mir irgendwann gehen wird. Wir sind auch beide selbständig, aber Sorgen mache ich mir nur an doofen Tagen. Insgesamt glaube ich, dass immer alles irgendwie geht. Und ich habe glücklicherweise ein tolles Team, dass dann hoffentlich die Fahne hochhält. Liebe Grüße, Fee

    16. Oktober 2015 at 09:26
  • Reply Franzy vom Schlüssel zum Glück

    Hm…
    Bisher war bei uns eigentlich klar, dass , wenn wir ein Kind erwarten, mein freund in Elternzeit geht, denn er verdient wirklich gut.
    Andererseits… wenn das mit meiner selbstständigkeit dann gut läuft… hm….
    das eröffnet ja ganz andere Möglichkeiten..
    da muss ich mal weiter drüber nachdenken…

    Viele liebe Grüße… bin schon gespannt auf mehr News :)
    Franzy

    20. Oktober 2015 at 09:00
  • Reply Larissa//No Robots Magazine

    Ich wusste, dass ich meinen Job verliere (den ich eh nicht mehr machen wollte), zu der Zeit, als wir ein Kind geplant haben. Ich hab mich trotzdem weiter für das Kind entschieden. Ich habe mir dann schwanger auch noch eine Steuernummer besorgt, damit ich selbstständig arbeiten kann. Jetzt werde ich mal sehen, wie es nach der Elternzeit weitergeht. Es wäre schön, wenn ich eine kleine Stelle plus selbstständige Arbeit finden würde. Dummerweise ist mein Sohn acht Tage zu früh geboren für das Elterngeld Plus. Ich fand die Frist ganz schön fies. :p Wenn ich jetzt kleine Aufträge annehme, muss wegen jedem Popelbetrag mein Elterngeld neu berechnet werden. Gut, dass sie das geändert haben!
    (Und zu deinen nächsten Artikeln: Nein, ein anderer Mensch bin ich nicht, aber ich fühle mich komplett anders. Und, ja, ich komme zu gar nichts mehr. Aber das hat erst so nach etwa acht Wochen angefangen, davor war es einfacher.)

    23. Oktober 2015 at 09:56
  • Reply Claire II

    Liebe Julia, vielen Dank für diese super Zusammenstellung. Ich bin auch Freiberuflerin und im 9. Monat schwanger. Als KSK-Mitglied werde ich auch Mutterschaftsgeld bekommen, und da liegt meine Frage. Habe ich dich richtig verstanden: „Bekommt Ihr Mutterschaftsgeld ist es aber wichtig, dass Ihr im Mutterschutz keine Rechnungen mehr schreibt, denn das wird von Eurem Mutterschaftsgeld abgezogen. Geldeingänge während dem Mutterschutz sind noch möglich“ – das heißt, ich darf keine Einkünfte mehr haben (sprich, nicht mehr arbeiten), sobald der Mutterschutz begonnen hat, Eingänge für früher geleistete Tätigkeiten werden aber nicht eingerechnet? Ich danke dir jetzt schon sehr – im Netz gibt es auf diese Frage wirklich wenig.
    Liebe Grüße und alles Gute weiterhin! Claire

    1. Februar 2016 at 22:53
    • Reply Julia

      Liebe Claire. Erstmal herzlichen Glückwunsch! Da wartet eine ganz tolle Zeit auf Dich :) und ja genau: Die Eingänge aus den Rechnungen von früher geleisteten Tätigkeiten werden im Mutterschutz (zumindest vor der Geburt des Kindes) nicht vom Mutterschaftsgeld abgezogen. So war meine Info. Freut mich, dass ich mit meinem Artikel etwas weiterhelfen konnte.

      1. Februar 2016 at 23:01
  • Reply Vivien

    Hallo! Danke für deinen Artikel! Ich bin jetzt zum zweiten Mal Mama geworden und bin auch selbstständig. Mein Elterngeld Antrag muss ich endlich abgeben, aber ich hab noch eine Frage, zu der ich im Netz einfach keine Antwort finde. Nach deinem Artikel denke ich, dass du mir helfen kannst ;)
    Muss ich KSK Beitrag während der Elterngeld Plus Monate Zahlen? Gar nicht, voll oder die Hälfte, weil Teilzeit? Da komme ich nicht weiter..
    Es wir immer von meinem durchschnittlichen brutto Verdienst gesprochen. Die MwSt, die ich ja eh direkt abführe ans Finanzamt kann ich bei dieser Summe ignorieren? Also ist mein Verdienst mit dem ich rechne 1100 plus MwSt/Monat im Elterngeld Plus Monat?
    Ich würde mich total freuen, wenn du mir helfen könntest!

    21. August 2017 at 07:24
    • Reply Julia

      Liebe Vivien, jetzt war ich in Urlaub und meine Antwort kommt vermutlich zu spät. Mein Elterngeld-Antrag wird gerade geprüft und von der KSK war ich „beurlaubt“. Ich kann gerne nochmal drüber schreiben, wenn ich das finale Feedback von der Elterngeldstelle habe!

      31. August 2017 at 21:35
      • Reply Vivien

        Liebe Julia, vielen Dank. Ich warte immer noch auf meine fertige Steuererklärung, daher ist es nicht zu spät ;)
        Wie wird der Antrag eigentlich geprüft? Musst du wegen des Zuflussprinzips Kontoauszüge vorlegen? Ich werde zwischendurch auch mal Monate voll arbeiten, wenn mein Partner voll Elternzeit macht. Da darf ich ja dann auch mehr verdienen, aber dann stimmt der Durchschnitt des Verdienstes ja nicht mehr. Echt alles ziemlich kompliziert…

        1. September 2017 at 09:27
        • Reply Julia

          Liebe Vivien,
          ja ich habe Kontoauszüge vorgelegt. Von einer Freundin weiß ich, dass sie es auch so gemacht hat. Jetzt bin ich gespannt! Ich finde es auch wahnsinnig kompliziert und selbstständige Eltern scheinen für manche Ämter und Formulare eigentlich gar nicht zu existieren. Also ich berichte wieder, wenn ich neues weiß :/ Viel Erfolg Dir!

          1. September 2017 at 21:19
  • Reply Ines

    Vielen Dank für den Artikel den Linktipp zum Mediafon-Ratgeber kannte ich noch nicht – und es ist echt ein graus sich als Selbstständige durchs Netz wuseln zu müssen. Die Elterngeldratgeber vom Bundesministerium für Familie SEnioren Frauen und Jugend sind leider zum Thema selbstständigkeit nicht vorne mit dabei… Da muß man sich wirklich alles selber zusammensuchen.

    20. September 2017 at 11:12
    • Reply Julia

      Liebe Ines, das freut mich, dass ich da etwas weiterhelfen konnte. Wobei ich nach zwei Jahren selbstständige Mama teilweise immer noch nicht dahinter steige, was jetzt geht und was nicht. Sobald ich da wieder neue Infos habe, schreibe ich gerne darüber!

      20. September 2017 at 12:40

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