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Kind und Kegel

Kind und Kegel: Stadtkinder

Stadt oder Land, Leben mit Kind, Stadtkind, Landkind

NIDO, Titelthema, Leben mit Kind, Leben mit Kind auf dem Land, Leben mit Kind in der StadtIn der aktuellen NIDO steht es auch wieder auf dem Titel. Ein Thema, dass mich ständig umtreibt. Das mich täglich beschäftigt und über das ich mir immer wieder den Kopf zerbreche. Wir gehören in die Stadt. Ganz sicher. Oder doch nicht?

Seit über einem Jahr wohnen wir jetzt nicht mehr direkt in München. Nachdem unsere Altbauwohnung in Neuhausen zu klein geworden war (oder wer möchte zu dritt auf 42qm wohnen?). Kam ein unschlagbares Angebot aus der Kleinstadt ums Eck. In Greogrs Elternhaus war eine schöne Wohnung frei geworden. Nicht weit, mit der S-Bahn ist man in 25min am Marienplatz. (Aber davon habe ich ja schon an dieser Stelle geschrieben.)

Wir haderten, wussten als Kleinstadt-Kinder, dass wir eigentlich Großstadterwachsene sein wollen. Aber wir wollten es schließlich doch mal testen, wie das so ist. Die vielen Vorteile lagen auf der Hand. Doch obwohl uns viele liebe Freunde auch im neuen Heim häufig besuchten und wir schon kurz nach der Geburt immer wieder einen Abstecher in das nahe München machten, ging es vor allem mir die ersten Monate nach Justus Geburt sehr schlecht mit der Entscheidung. Mir fehlte die Inspiration beim täglichen Spaziergang. Die verschiedenen Eindrücke, das Trubelige. Gerade in der ersten Zeit, wo im kalten Herbst und Winter mein Radius sehr begrenzt war und ich zum Stillen eine Einkehr brauchte, sehnte ich mich nach meinen Lieblingscafés ums Eck und den schnellen Plausch mit einer Freundin. Ich kam heim von meinen Spaziergängen aus dem nahgelegenen Wäldchen oder vom See (die beiden wirklich sehr sehr schön sind!!!) und heulte wie ein Schlosshund. „Ich habe ganze 3 Menschen getroffen und keiner war unter 70“. Wochen- / Monatelang gab es nur ein (Streit-) Thema: Zurück in die Stadt! So stell ich mir unsere Zukunft nicht vor.

Was mir in dieser Zeit wahnsinnig geholfen hat? Dass wir gemeinsam an unserem Kinderzimmer-Buch gearbeitet haben, dass wir oft zu dritt waren daheim und die erste Zeit mit Baby in vollen Zügen genießen konnten, dass wir sehr viel über unsere Zukunftspläne geredet haben, auch wenn das oft zermürbend war.
Die Zeit steckte im Nacken: Ich wollte schnellstmöglich wieder umziehen, weil ja bald die Suche nach einer Krippe Thema werden würde und dann wäre man erstmal festgelegt. Ich war panisch. Ja, auch hysterisch.

Also gut. Alles wieder von vorn. Wohnungsbesichtigungen. Allen Bescheid geben: Wir wollen wieder zurück. Netzwerken. Warten. Hoffen. Es meldeten sich tatsächlich Freunde und Bekannte. Oh wie schön! Unsere Theorie geht auf: Über Mundpropaganda findet man die besten und bezahlbaren Wohnungen. Besichtigungstermine. Sogar unsere Wunschstadtteile waren dabei. Aber leider keine passende Wohnung. Oder wer möchte 1700 EUR für eine 80qm Wohnung im Plattenbau mit unpraktischem Schnitt bezahlen. Wir nicht! So hoch war der Leidensdruck dann auch wieder nicht. Denn wir fühlen uns in unseren derzeitigen 4 Wänden wohl, wollten uns in der Wohnungssitutation auch nicht verschlechtern. Zu anspruchsvoll?! Man kann nicht alles haben? Vielleicht. Aber ist es zu viel verlangt, dass man eine Wohnung möchte, die bezahlbar ist, um auch noch Familien-Zeit und nicht nur Arbeitszeit zu haben? Finden wir nicht.

Theresienstraße 23, SO YEAH

Bye, bye Büro

Was in der Zwischenzeit geschah? Unser um alles geliebte Ladenbüro in Schwabing wurde auf Eigenbedarf gekündigt. Unsere Verbindung zur Stadt. Gekappt. Wir hatten geplant die Krippe in Büronähe zu suchen. Diese Adresse fiel jetzt auch noch weg. Und fast zeitgleich bekamen wir sowieso nur KITA-Absagen aus der bayerischen Landeshauptstadt. Das war einfach zu viel für meine Nerven. Ich bin ein sehr positiver Mensch, der nicht gerne rumnörgelt. Aber ständig habe ich mich dabei ertappt. Unsere Wohnung stand still. Wer arbeitet an der Wohnungseinrichtung, wenn er bald wieder auszieht? Und wem Einrichtung und ein schönes Heim wichtig ist, den belastet so etwas auch.

Draußen essen, Leben mit Baby, Tripp Trapp, Werkstatt, Studio Faubel

Es war Sommer geworden. Wir hatten inzwischen ein Kind im Krabbelalter, das mit größter Begeisterung den Garten mit Tieren und Planschwasser erkundete. Wir waren viel am fußnahen See, holten uns frischen Fisch vom Fischgut und spazierten durch den Wald. Wir wussten um die Vorteile, die es hat in einem Mehr-Generationen-Haushalt zu wohnen, wo Uri oder Opa auch mal auf das Kind schauen, falls wichtige Projekte bei beiden Elternteilen anstehen. Auch wussten wir inzwischen, welches Café wann geöffnet hat und arrangierten uns damit. Ich pflegte neue Freundschaften am neuen Heimatort und alte Kontakte in der Großstadt und gewöhnte mich an S-Bahn statt Fahrradfahren, stieg sogar ab und an ins Auto (auch wenn mir das immer noch sehr schwer fällt). Mit einem fast einjährigen Kind frisch abgestillt und am Liebsten Knödel essend wurden wir wieder flexibler. Ich legte einen ersten Arbeitstag im Büro ein.

Nach einem morgendlichen Spaziergang durch den Wald, kam ich zurück und hatte einen Beschluss gefasst. Wir suchen eine Krippe, da wo wir jetzt wohnen und machen’s uns wieder schön. Schöner. Leben im jetzt. Wer weiß was morgen ist?

Fischweiher, frischer Fisch, Dachauer Umland

frischer Fisch vom Fischweiher

Früher oder später wird sich unsere Wohnungssituation wieder ändern, ja. Aber vielleicht auch erst in einem Jahr? Oder in zwei? Dann ist das auch in Ordnung. Denn wir haben es sehr schön. Nicht immer das Idealbild, das wir uns noch vor einem Jahr vorgestellt haben, aber was heißt das schon. Ich finde es einfach traurig, dass in einer Stadt wie München eine freie Entscheidung nicht möglich ist. Dass es vielen jungen Familien so geht wie uns. Dass man es sich nicht leisten kann in der Stadt zu wohnen, wenn man das möchte. Dass wir in einem Bundesland leben, dass sich ach so familienfreundlich gibt, aber nur wenn man sich an das klassische Rollenbild hält.

Wie geht es weiter? Wir haben ein neues Büro gefunden und sind sehr glücklich damit. In Isarnähe, in der Au, über Freunde von Freunden. Ganz unkompliziert und sympathisch. Die Verbindung zur Stadt ist wieder hergestellt. Was ein Glück.

Wissen wir wie wir zukünftig wohnen möchten? Eigentlich noch nicht so richtig. Es tun sich viele neue Optionen auf, von denen wir träumen. Vielleicht muss es doch nicht mehr mitten in der Stadt sein. Je größer Justus wird, desto mehr bekommt man mit, wie im die Nähe zur Natur gut tut. Also dann vielleicht sogar richtig aufs Land ziehen? Mit Menschen die gleich ticken und mit denen man sich versteht? Eine moderne Kommune mit viel kreativem Raum? Mehr Richtung Berge ziehen? Alles ist möglich. Das Wichtigste für uns: Nicht den Pragmatismus siegen lassen, Träume realisieren, aber auch nicht unterkriegen lassen, wenn manche Wege vielleicht anders verlaufen, wie man vorher gedacht hat. Nicht die Bequemlichkeit siegen lassen, Mut sich etwas zu trauen, was vielleicht auf den ersten Blick utopisch erscheint.

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