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Achtsamkeit, Kind und Kegel

Stadt-Land-Kind
Wie wichtig ist der Wohnort für die Kreativität?

Kreativität, Stadt, Land, Kleinstadt

Landei oder Stadtkind? Über ein Jahr liegt mein Post zurück, in dem ich darüber geschrieben habe, wie es so ist, nicht mehr mitten in der großen Stadt zu wohnen, sondern in einer Kleinstadt am Rande von München. Vor Kurzem erreichte mich eine Mail von einer Mama, die sich sehr verstanden fühlte, weil sie auch vor einiger Zeit als Kreative und Mutter aus der Stadt aufs Land zog. Sie hat mich gefragt, wie es mir inzwischen mit meiner Entscheidung geht.

Kreative auf dem Land und in der Kleinstadt

Lieben Dank für diese Mail, es bedeutet mir sehr viel, zu wissen, dass der eine oder andere Text auf dieser Seite ankommt und zum Nachdenken anregt. Ratschläge mag ich gar nicht geben, denn jeder tickt schließlich anders. Aber wenn sich jemand durch meine Posts verstanden fühlt und es irgendwie weiterhilft, dass man vielleicht ähnlich denkt, dann weiß ich, dass das Bloggen tatsächlich Sinn macht. Den „Leserbrief“ mit der Frage: Wie geht es Euch/Dir mit der Entscheidung raus zu ziehen inzwischen? nehme ich deshalb auch als Anlass für diesen Artikel.

Uns geht es gut. Nach wie vor sind wir sehr dankbar und glücklich, dass wir unser Kind wirklich gemeinsam aufziehen können und trotzdem beide unseren Berufen nachgehen können. Ich glaube, dass das mit den Lebenshaltungskosten in München um einiges schwieriger wäre. Ich habe mich von dem Gedanken verabschiedet, ein selbst definiertes Ziel wie zum Beispiel „Wir haben unsere Traumwohnung mit Büro und Werkstatt in unserem Wunschviertel“ verabschiedet, sondern glaube eher an das Sprichwort „der Weg ist das Ziel“. Ich freue mich über den Moment und denke nicht so viel daran, was übermorgen ist, auch wenn ich das Morgen nicht aus dem Auge verliere, denn Ziele haben wir schließlich viele. Jeder Schritt, denn wir zu diesen gesteckten Zielen erreichen, lässt uns wissen, dass wir das Richtige tun. Oft führen diese Zwischenschritte auf ganz andere Wege, an die man ursprünglich gar nicht gedacht hat und das finde ich gerade spannend. Man muss immer wieder neu lernen sich auf diese – ab und an ziemlich überraschenden Wendungen – einzulassen. Lässt man sich dann darauf ein, entstehen oft großartige Dinge.

Den Spruch: „Mit Kind wirst Du bald die Vorzüge der Kleinstadt schätzen“ habe ich anfangs gehasst. Natürlich ist das Wohl des Kindes das Wichtigste. Aber das Wohl der Eltern ja schließlich ebenso. Und wenn es den Eltern gut geht, fühlt das Kind mit. Dieser Meinung bin ich immer noch. Es kann frustrierend sein, wenn die gute Freundin nicht mehr ums Eck wohnt, sondern eine längere Autofahrt oder umständliche Bahnfahrt entfernt. Sicherlich würde ich wieder mehr das Nachtleben nutzen, wenn ich es vor der Tür hätte. Würde ich wirklich? Ich bin mir ehrlich gesagt gerade nicht sicher, in unserer jetzigen Lebensphase stehen kurze Wege in die Natur, lange Fahrradtouren und ein Besuch im Bauernladen ganz oben. Ich finde es gut, dass unser Kind mitbekommt, woher die Milch kommt und dass Äpfel auf Bäumen wachsen. Es gibt Abende, da fällt man mit seinem Kind einfach todmüde ins Bett und schläft mit ihm ein. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl etwas zu verpassen, sondern fühle mich sehr erfüllt. Und wenn sich dann doch mal die Möglichkeit ergibt ein Freundinnenwochenende zu verbringen, ein Konzert zu besuchen oder abends noch unterwegs zu sein, schätzt man das sehr, genießt man es viel mehr als vor dem „Mama-Sein“. Was ich aber auch damit sagen möchte: Da macht es für mich keinen Unterschied, ob man in der Stadt oder auf dem Land wohnt, sondern es liegt an der der Lebensphase.

Außerdem wurde ich gefragt, ob ich denn Anschluss gefunden hätte? Ja, ich habe zum Glück schon einige liebe Menschen kennengelernt. Die Treffen mit ‚alten‘ Freunden sind mir aber besonders wichtig, auch wenn das inzwischen mit Entfernungen und Kindern manchmal eine kleine Herausforderung ist. Generell glaube ich schon, dass es auf dem Land schwieriger ist, auch in der Kleinstadt. Selbst in der Kleinstadt aufgewachsen, weiß ich zu gut, dass dort die sozialen Strukturen viel starrer sind und die Offenheit gegenüber Neuem, sich eher in Grenzen hält.

Kreative auf dem Land und in der KleinstadtDas Gefühl, mit der Idee von einer kreativen Lebensweise ziemlich allein dazustehen, weil das Umfeld noch alten Strukturen nachhängt, kann blockierend sein. In der Großstadt findet man viel schneller Gleichgesinnte, die einem für das eigene Schaffen Bestätigung geben. Ich kann aber jedem sagen, den diese Situation deprimiert: Bleib Dir treu, mach das was Dich glücklich macht, auch wenn du allein auf weiter Flur zu stehen scheinst. Ich finde es manchmal sogar ganz schön, das Gefühl zu haben, eine etwas exotischere Lebensweise zu führen und freu mich, wenn es für den einen oder anderen auch Ansporn ist, gewohnte Strukturen zu verlassen. Andersherum kann schließlich auch zu viel Kreativität lahm legen. Ich kenne genauso das Gefühl in der Stadt zu wohnen und der Stadt mit seinem Überangebot nicht zu genügen, weil alle anderen um mich herum viel phantastischer, individueller und kreativer zu sein scheinen. Lange Rede kurzer Sinn: Oft liegt es dann doch an einem selbst und nicht an der Tatsache wo man wohnt. Dank Internet spielt sich ein großer Teil meines kreativen Lebens eh online ab. Dort knüpfe ich viele neue Kontakte und lass mich auch zu neuen Ideen inspirieren. Da spielt der Wohnort nur eine Nebenrolle.

Momentan ist für mich ein Leben in Stadt und auf dem Land, kombiniert mit vielen Reisen die ideale Mischung.
Das ruhige Leben, um sich neu sammeln zu können, das Trubelige für die Inspiration.

 

 

 

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1 Comment

  • Reply Petra Quilitz

    Hallo Julia, vielen Dank für dein Update vom Landleben! Ja, leider kann man nicht beides haben, das kreative Viertel und die Natur um die Ecke (Warum eigentlich nicht?) Vielleicht sollten Kreative alle ein eigenes Dorf aufmachen. Allerdings haben andere das auch schon versucht (Habe zur Recherche nach dem Kreativendorf sogar einen Blog angefangen: https://derwohnprojekteblog.wordpress.com). Bisher hatte ich aber jedenfalls keinen Erfolg bei der Suche nach einem Ort, der naturnah ist, bei dem man aber dann beim Durchfahren der nächstgelegenen Ortschaft Augenkrebs bekommt und Freitags um 16:30 die Bürgersteige hochfahren. Wünsche dir alles Gute und weiterhin viel Erfolg bei deinen tollen Kreativen Projekten die man wirklich, wie du sagst überall machen kann, selbst im Landexil.

    7. November 2017 at 12:09
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